Mit dem virtual Lab in ein neues Zeitalter: Das Gesundheitswesen im Wandel

21.07.2019 Trends
3 Minuten Lesezeit

Mit der Ankündigung eines gemeinsamen „virtual Innovation Lab“ rufen Sanofi und Google eine Partnerschaft aus. Durch das Virtual Lab wird das ehrgeizige Ziel verfolgt, „die Bereitstellung zukünftiger Medikamente und Gesundheitsdienste durch die Nutzung neuer Datentechnologien grundlegend zu verändern.“

Dank einer tiefgründigen Analyse von Datensätzen verspricht sich das Pharmaunternehmen Sanofi durch die Zusammenarbeit mit Google im Rahmen des Virtual Lab, Schlüsselkrankheiten besser verstehen zu können und Erkenntnisse über Patienten zu gewinnen. Infolgedessen möchte man individuellere Behandlungsansätze erforschen und entwickeln. Dabei sollen begleitende Technologien zur Verbesserung von Behandlungsergebnissen identifiziert werden.

Durch die Kooperation mit Leadern aus der Technologiebranche sowie führenden Analysten könne man das Gesundheitswesen in ein neues Zeitalter führen und dank modernster Methoden, wie künstlicher Intelligenz, den Menschen die Kontrolle über ihre Gesundheit geben sowie die Erforschung neuer Therapien beschleunigen, so Ameet Nathwani, Chief Digital Officer von Sanofi.

Das oberste Ziel der Zusammenarbeit sei es, die Entwicklung neuer Therapien zu verbessern. Dabei wolle man sich auf drei Hauptziele konzentrieren:

  • ein besseres Verständnis von Patienten und Krankheiten
  • eine höhere betriebliche Effizienz von Sanofi
  • eine bessere Erfahrung der Patienten und Kunden

Weitreichende Möglichkeiten wurden bereits vor Google erkannt

Auch weitere Unternehmen haben die Möglichkeiten eines „virtual Lab“ erkannt und springen ebenfalls auf diesen Zug auf oder haben es bereits vor Google und Sanofi schon getan. NPL und das Imperial College London haben bereits im Jahr 2017 ein neues virtual Lab im Wert von 7 Millionen Pfund eröffnet, um die Herstellung und Einführung neuer Medikamente, Therapien und anderer Produkte mittels synthetischer Biologie zu verbessern. Mit der Entwicklung neuer Methoden und Materialien zielt man darauf ab, die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen zu verbessern und Innovationen der synthetischen Biologie in wertvolle Produkte und Dienstleistungen transformieren zu können.

Das Labor ist eine Zusammenarbeit zwischen mehreren Instituten. Dazu zählen NPL, LGC, das britische National Measurement Laboratory for Chemical and Bio-Measurement, NIBSC und das Londoner SynbiCITE des Imperial College und das britische National Industrial Translation Centre. Dr. Michael Adeogun, Head of Life Sciences and Health bei NPL, betonte noch einmal die Notwendigkeit der Entwicklung und der schnellen Einführung innovativer Medikamente und Therapien mithilfe der synthetischen Biologie, die hierbei über enorme Potenziale verfüge.

Geldgeber aus der Industrie für Virtual Labs

Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit UCL und dem Imperial College London hat Eli Lilly 5 Millionen Pfund für die Finanzierung von Forschungsarbeiten zur effizienteren Herstellung von Arzneimitteln zugesagt. Langfristig verfolgt man so das Ziel, Behandlungsmethoden kostengünstiger zu gestalten. Mit dem Geld wird ein Virtual Lab unter der Leitung von Imperial finanziert, in dem Forscher beider Universitäten Process Systems Engineering-Methoden zur Optimierung der Arzneimittelherstellung anwenden.

PSE verwendet computergestützte Methoden und Modelle zur Gestaltung, Steuerung und Verbesserung von Prozessen. „Die Anwendung von PSE-Methoden in der pharmazeutischen Industrie hat das Potenzial, die Effizienz zu steigern, Verschwendung zu verringern und Probleme der Qualitätskontrolle im gesamten Herstellungsprozess zu lösen“, so die Partner.

Die Zusammenarbeit ist zunächst auf sechs Jahre ausgelegt, während derer man sich darauf konzentrieren wolle, Methoden für bessere Vorhersagen sowie effektivere Experimente zu entwickeln und so das Design von pharmazeutischen Fertigungssystemen zu verbessern. Von der Kooperation erhoffe man sich, Innovationen in der Arzneimittelherstellung zu liefern und eine bessere Versorgung der Patienten mit Medikamenten zu unterstützen. Dabei wolle man von Lillys Erfahrung mit Partnerschaften zwischen Industrie und Wissenschaft profitieren, so Dr. Salvador García Muñoz, Senior Engineer Advisor, Small Molecule Design and Development, bei Lilly.

„Out of the box“-Thinking führt zu Innovationen

Im Gespräch mit dem ePharmaINSIDER gab John Zibert, einer der Gründer des LEO Innovation Lab, einen kleinen Einblick in die Denkweise hinter des Virtual Labs. Es gehe darum, sich „ständig an die sich schnell verändernde Umgebung anzupassen.“ Dies lernte er bereits während seiner Zeit in der dänischen Armee, wo er in verschiedenen Kriegen als Rettungssanitäter im Einsatz war. Man müsse über den Tellerrand hinausschauen und versuchen, „neuartige Lösungen für Patienten zu finden und diese besser zu verstehen. Wenn etwas nicht funktioniert, probiere etwas anderes aus. Machen Sie mehrere Wiederholungen Ihrer früheren Lösung und arbeiten Sie nach dem Konzept des Minimal Viable Product (MVP).“

Nachdem im Rahmen des LEO Innovation Lab 24 Unternehmen gegründet und 18 wieder geschlossen wurden, konnte man mit der App Imagine eine digitale Lösung liefern, mit der Patienten eine Ferndiagnose für Hauterkrankungen dank ausgeklügelter KI erhalten können. Mit der App kann zudem ein Krankheitsverlauf richtig dokumentiert und eine bessere Diagnose erstellt werden. Man liefert den Ärzten schließlich einen größeren Datensatz und nicht nur eine einzelne Information der Krankheit. Es gehe darum, die Patienten selbst zu befähigen, richtige Auskünfte geben zu können.

Auch in Zukunft Innovationen dank KI

Mithilfe von künstlicher Intelligenz sowie stetig wachsenden Datensätzen erhoffe man sich im LEO Innovation Lab, aber auch andernorts, zukünftig weitere innovative Lösungen für vielfältige Gesundheitsthemen liefern zu können. Hierfür benötigt man jedoch sowohl den Willen als auch die Möglichkeit bei den Betroffenen, an der Entwicklung besserer Lösungen teilzuhaben. Deshalb arbeite man nicht nur an der Erforschung von gesundheitsrelevanten Methoden, sondern ebenfalls am Design sowie an der Bedienung der Tools.

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