Warum Sie Fehler offen im Unternehmen ansprechen sollten

04.03.2020 How-To
3 Minuten Lesezeit

Ein Phänomen, das sich in vielen Unternehmen finden lässt, ist das sogenannte „Erfolgstheater“. Wenn z.B. Projekterfolge verkündet werden, ohne über den Weg zum Erfolg, also alle negativen Aspekte des Projekts zu sprechen. Oder wenn man sich nur die positiven Daten herauspickt und negative Insights verschwiegen werden. Schließlich möchte man doch Erfolge feiern und nicht über negative Dinge reden oder?

Falscher Erfolgsdruck kann verunsichernd und einschränkend auf Mitarbeitende wirken

Leider führt dieses „Erfolgstheater“ in den meisten Fällen nicht in eine erfolgreiche Zukunft, sondern steht dieser eher im Wege. Einerseits setzt man durch die fehlende Kommunikation von Misserfolgen seine Angestellten unter einen enormen Erfolgsdruck, der sich nicht nur negativ auf die Ergebnisse, sondern auch auf die Herangehensweise an Projekte auswirken kann. Andererseits wird kurzfristigen positiven Ergebnisse mehr Bedeutung beigemessen und der langfristige Erfolg somit aufs Spiel gesetzt. Welche Anstrengungen musste das Team unternehmen, welche Abkürzungen hat es genommen und vor allem, welche Lehren hat es auf dem Weg zu einem positiven Ergebnis aus den Misserfolgen gezogen, die man unterwegs erlebt hat? All diese Fragen werden nicht beantwortet, wenn man nur die positiven Dinge kommuniziert, denn der Mensch lernt mehr aus Fehlern als aus Erfolgen.

Versuchen Sie sich für negative Nachrichten zu öffnen

Die Dokumentation und der Austausch von Lehren aus gescheiterten Projekten kann viel wert sein. Sie können dazu beitragen, neue Ideen und Erkenntnisse zu gewinnen, die zu großen Durchbrüchen in der Optimierung beitragen könnten. Im Allgemeinen ist es am besten, wenn wir dem Versagen ehrlich entgegentreten, anstatt uns davor zu verstecken und lediglich positive Nachrichten wahrnehmen. Sicherlich kann man dieses Verhalten nicht zu einhundert Prozent abstellen, jedoch kann man daran arbeiten, dieses so weit wie möglich zu reduzieren und einzuschränken.

Gescheiterte Experimente und Misserfolge kommunizieren

Diskutieren Sie intern gescheiterte Kampagnen und Projekte und versuchen Sie, die entsprechenden Erkenntnisse herauszuziehen. Ermutigen Sie Ihre Angestellten etwas zu wagen und damit zu scheitern.

Gehen Sie zurückhaltend mit Fallstudien um

Häufig sind diese kaum aussagekräftig. Sie sind mit absoluter Sicherheit nicht der einzige, der ungern über eigene Misserfolge redet, weshalb also sollten es andere tun? Fallstudien beschreiben oft nur die Spitze des Eisberges, wenn von großartigen Erfolgen die Rede ist, und dienen mehr der PR, denn als vertrauenswürdige Insights.

Seien Sie transparent

Kommunizieren sie ehrlich mit ihren Angestellten, teilen Sie Erfolge sowie Misserfolge mit ihnen. Zeigen Sie sich offen für ehrliches Feedback und unangenehme Fragen. Entwickeln Sie eine Kultur, in der es in Ordnung ist, wenn Ihre Angestellten untereinander ebenfalls kritisch und auch ehrlich mit Misserfolgen sind, anstatt diese zu vertuschen.

Machen sie Fehler zu einer Tugend

Nehmen wir uns als Beispiel ein A/B-Testing einer Headline. Wenn diese scheinbar erfolgreich ist, so sind wir erstens nicht in der Lage zu sagen, worin der Erfolg tatsächlich gründet und zweitens erfahren wir auch nicht, ob dieser Erfolg eigentlich noch größer hätte sein können. Aus einem Misserfolg lernen wir jedoch, dass man die Headline optimieren muss. Hier erfahren wir, welche Stellschrauben diejenigen sind, an denen gedreht werden muss, um erfolgreicher zu werden.

Seien Sie dankbar für Kritiker

Menschen mit einem kritischen Geist werden oft als Störer und Querulanten wahrgenommen. Sicher, wer möchte schon Einwände und Zweifel an Ergebnisse hören, wenn man sich stattdessen einfach für irgendeinen Erfolg feiern lassen könnte? Doch gerade diese Menschen sind essentiell für eine erfolgreiche Entwicklung von Projekten und Innovationen. Ihnen sollte man dankbar sein für ihren Mut, Kritik zu äußern, und dieses Verhalten auch offen ermutigen. Diesen Menschen, die mutig genug sind, interessante Fragen zu stellen und auf mögliche Fehler in den Daten hinzuweisen, sollten Sie als Führungskraft, aber auch als Kollege positiv begegnen. Fehler gehören zum Leben dazu, verweigern Sie sich ihnen nicht.

Investieren Sie in die Ausbildung Ihrer Angestellten

Haben Sie keine Angst davor, in Ihre Angestellten zu investieren, auch wenn diese Ihr Unternehmen irgendwann möglicherweise verlassen werden. Schlimmer wäre es, wenn unqualifizierte Mitarbeitende auf ewig blieben. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu tun: Investieren Sie in eine Bibliothek für Ihr Büro, schicken Sie Ihr Team zu Konferenzen, bezahlen Sie Schulungsprogramme. Vor allem kleinere Unternehmen sollten diese Möglichkeiten in Angriff nehmen. Schaffen Sie eine Kultur der Neugierde und unterstützen Sie Ihre Mitarbeitenden bei der Beschaffung der benötigten Ressourcen, um eine Wachstumskultur zu fördern.

Print Friendly, PDF & Email