Was machen gute mHealth Apps aus?

31.08.2016 Studien
3 Minuten Lesezeit
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Mit mHealth Apps und Smartphones zu mehr Gesundheit. So lautet die Devise, wenn es um die Entwicklung neuer Anwendungen in der Healthcare Branche geht. Doch immer wieder scheitern diese Apps auf Grund mangelnder Erfolge. Was machen gute mHealth Apps also aus?

Je mehr Patienten in das Geschehen um ihre Gesundheit involviert sind, desto erfolgreicher verlaufen Behandlungen und Therapien. Engagierte und aktive Patienten arbeiten mit ihren Ärzten oder dem medizinischen Personal zusammen. Sie werden respektiert und mit Würde behandelt, erhalten Informationen über ihre Behandlungen und sind an Entscheidungen beteiligt.

In zwei unabhängigen Überprüfungen des Institute of Medicine und der Robert Wood Johnson Foundation stellte sich heraus, dass das Selbst-Management und das Miteinbeziehen der Patienten mit chronischen Krankheiten für den Erfolg von Gesundheits-Management Programmen essentiell sind.* Diese Programme sind vor allem für Patienten gedacht, die viele Bedürfnisse haben und deren Behandlung hohe Kosten verursacht. Für diese Patienten sind mit den Programmen eine verbesserte Lebensqualität, eine funktionelle Autonomie und weniger Aufenthalte im Krankenhaus verbunden.

Mobile Gesundheits-Applikationen oder mHealth Apps können genau diese Patienten mit vielen medizinischen Bedürfnissen und hohen Kosten in ihrem eigenen Gesundheits-Management unterstützen.

Laut KMU-Forschung Austria besitzen etwa 60% aller Österreicher ein Smartphone. Immer mehr Besitzer (etwa 28%) sind ältere Menschen und auch in Haushalten mit geringem Einkommen nimmt die Zahl der Smartphones zu (derzeit etwa 50 Prozent).**

Viele medizinische Einrichtungen und Kliniken sehen in mHealthApps eine ideale Option, um Patienten mit chronischen Krankheiten mehr in ihr Gesundheits-Management einzubinden.

Studie zu mHealth Apps des Common Wealth Fund

Im Februar 2016 veröffentlichte der Common Wealth Fund die Ergebnisse einer Studie zur Qualität, zur Sicherheit und zum Grad des Einbezugs der Patienten verschiedener mHealth Apps. Alle untersuchten Apps sind im Apple iOS Store oder im Android App Store verfügbar.

Der Fokus der Untersuchungen lag auf mHealth Apps für chronisch Kranke. Um diese Apps zu finden, wurde nach Alkohol, Arthritis, Asthma, bipolar, Krebs, Zirrhose, COPD, Diabetes, Depression, Medikamentenmissbrauch, Übergewicht, Schlaganfall und vielen weiteren Begriffen gesucht.

Nach Entfernung aller nicht gesundheitsbezogenen, nicht patientenbezogenen, nicht englischen und sehr ähnlichen Apps, wurden die mHealth Apps nach ihrer Nützlichkeit beurteilt. mHealth Apps, die in diesem ersten Schritt als nützlich beurteilt worden sind, wurden in der Folge dann erneut überprüft. Dieses Mal erfolgte die Einstufung auf Basis der Sicherheit und Qualität der App, sowie dem Miteinbezug der Patienten.

mHealth Apps unterstützen aktive Beziehung zu Patienten

Für die Bewertung der Einbindung der Patienten wurde die folgende Pyramide konstruiert. Am wenigsten eingebundene Patienten brauchen zum Beispiel zunächst ein Bildungsangebot, Erinnerungen und eine Protokollierung ihrer gesundheitlichen Daten.

Diese ersten Schritte benötigen kein Smartphone und keine App, mHealth Apps können jedoch eine gute Erweiterung sein, um Informationen verfügbar und speicherbar  zu machen.

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Die Qualität der Gesundheits-Apps wurde in Bezug auf die Verlässlichkeit der Informationen für die Zielgruppe, der Zahl der Empfehlungen und der Nutzbarkeit beurteilt.

Für die Bewertung der Sicherheit der mHealth Apps betrachtete man zwei Aspekte: Die Möglichkeiten der App mit persönlichen, heiklen Informationen, die von Patienten eingegeben wurden, umzugehen. Zum Beispiel einem niedrigen Blutzucker oder Suizidgedanken. Der zweite Aspekt war das Engagement der Entwickler der mHealth Apps beim Thema Datenschutz von sensiblen Patientendaten und allgemeiner Sicherheit.

Nach Entfernung aller nicht relevanten Apps, die über eine automatische Suche gefunden worden waren, verblieben 376 iOs Apps und 569 Android Apps, die untersucht wurden.

43 Prozent der iOs Apps (161 Apps) und 27 Prozent der Android Apps (152 Apps) scheinen nützliche bzw. gute mHealth Apps zu sein. 126 dieser qualitativ wertvollen Apps existieren auf beiden untersuchten Plattformen.

mHealth Apps müssen medizinischer werden

In der Medizin muss jede Behandlung an den einzelnen Patienten angepasst und mit einem Verständnis der Vorteile und Risiken durchgeführt werden. Das Gleiche gilt auch für Apps, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Funktionalitäten für verschiedenste Nutzer interessant sind.

Die Qualität und die Sicherheit von Apps gehen nicht immer Hand in Hand mit der Funktionalität und sollten deshalb gesondert überdacht werden. In der Studie wurden viele Apps gefunden, die mehr Wert auf Funktionalität als auf Sicherheit und Qualität legten.

Obwohl mHealt Apps riesiges Potential haben, Patienten mit chronischen Krankheiten mehr in ihre Gesundheit zu involvieren, gibt es weder im iOs Store noch im Android Store viele Apps, die Patienten nützen. Für engagierte Healthcare-Unternehmer bietet sich hier großes Potential – denn der Bedarf an qualitativen Apps im Gesundheitsbereich ist auf jeden Fall vorhanden.

[Tweet theme=“tweet-box-shadow“]Die Funktionalität muss auch bei mHealth Apps im Vordergrund stehen.[/Tweet]

 

*Quelle: C. Boult, A. F. Green, L. B. Boult et al., “Successful Models of Comprehensive Care for Older Adults with Chronic Conditions: Evidence for the Institute of Medicine’s ‘Retooling for an Aging America’ Report,” Journal of the American Geriatrics Society, Dec. 2009 57(12):2328–37; and T. S. Bodenheimer and R. Berry-Millett, Care Management of Patients with Complex Health Care Needs (Princeton, N.J.: Robert Wood Johnson Foundation, Dec. 2009).

**Quelle: Pew Research Center, Pew Research Center Internet Project Omnibus Survey (Washington, D.C.: Pew, 2014); Pew Research Center, Pew Research Center Internet Project Survey (Washington, D.C.: Pew, 2014).

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